Friedhof

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Brauchen wir heute noch öffentliche Friedhöfe?

Gedanken zur Grabgestaltung

Die Paragraphen der Friedhofsordnung und die Hinweise zur Grabgestaltung lesen sich sachlich nüchtern und vielleicht unpersönlich.

Als Besucher des Friedhofes denken wir eher an die Menschen, die dort ihre letzte Ruhestätte gefunden haben, an Schicksale, an Leben mit seiner Freude, seinem Schmerz, seiner Vollendung.

Und doch gehört beides zusammen, denn die Ordnungen sind da, um menschliche Würde zu erhalten und zu schützen, die der Verstorbenen und die derjenigen, die ihrer gedenken.

Drei Dinge rücken hierbei besonders ins Blickfeld:

Die Grabmale,
die Begrenzungen der Gräber und
die Gestaltung der Gräber mit Pflanzen.

Grabmale sind Denkmale, die erinnern an den Menschen, der hier bestattet ist. Sie erzählen Bekannten und Unbekannten etwas aus dem nun vollendeten Leben.
Ein passender Spruch oder ein bewußt ausgewähltes Symbol sagen viel aus und zeigen, daß es um DIESEN einen Menschen geht.
Manche in Stein gehauene Beteuerung – „geliebt“ und „unvergessen“ – dagegen erzählt nichts vom Toten, sondern von der Befindlichkeit seiner Hinterbliebenen und wird im Laufe der Zeit oft fragwürdig durch eine lieblose Grabgestaltung und wucherndes Unkraut.
Umgekehrt sprechen die Pflege und das Aussehen des Grabes beredt genug von der Liebe der Angehörigen zu ihren Verstorbenen.

„… und dennoch sind da Mauern zwischen den Menschen …,“
heißt es in einem Lied.
Mauern bezeichnen Grenzen, indem sie die einen einengen und die anderen ausgrenzen.
Und meistens wünschen wir sie uns fort – Mauern von Einsamkeit, von Schweigen, Grenzen, die uns gesetzt sind durch unser persönliches Versagen, durch Krankheit, das Alter und den Tod.

Warum aber bauen wir dann Mauern in Gestalt von steinernen Einfassungen um die Gräber?

Ein Drittes sind die Blumen.

„Der Mensch blüht in seinem Leben wie eine Blume … „, spricht der Psalmist.
So verstanden, sind Blumen auf dem Friedhof ein Zeichen. Kleine Wunder aus Farbe, Form und Duft, gleicht keine Blüte der anderen, so ähnlich sie einander auch sein mögen.
Zusammen
sind die Blumen schön! Das Leuchten der einen bringt die Farbe der anderen zur Geltung.
Und ebenso wunderbar und einmalig in seinen Gaben und Fähigkeiten, in allem, was die anderen reich macht, die mit ihm leben, ist der Mensch.
Aber auch vom anderen weiß das Psalmwort: „… wenn der Wind darüber geht, so ist sie nimmer da, und ihre Stätte kennt sie nicht mehr“.

Zum Blühen gehört das Verwelken, zum Werden das Vergehen, zum Leben das Sterben. Wann immer uns diese Erfahrung begegnet, begegnet sie uns schmerzlich.

Blumen auf unserem Friedhof setzen Zeichen – Zeichen der Liebe, der Dankbarkeit, der Ehrerbietung. Was wird aber daraus, wenn wir das Zeichen verkehren und anstelle der lebenden Blumen die künstlichen ihren Platz einnehmen auf unseren Gräbern? Wovon sprechen diese serienmäßig gefertigten, einander völlig gleichenden, leblosen Blumen?
Und was geschieht mit ihnen, wenn sie dann, von den Gräbern abgeräumt, im Abfall landen, giftig und von der Natur zu nichts mehr zu gebrauchen?
Was dem Gedenken eines lieben Menschen gewidmet schien, ist so zum Entsorgungsproblem geworden.

 

Lassen wir es besser unser Anliegen sein, durch eine bewußte Grabgestaltung beizutragen, daß unser Friedhof ein Ort der Besinnung und Einkehr, ein Ort des Friedens und der Erholung wird und bleibt.

 Pfarrerin Gabriele Führer, Dresden

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